Brustkrebs und Partnerschaft

Eine Brustkrebserkrankung führt häufig zu Problemen in der Partnerschaft. Die Ursachen sind vielfältig. Körperliche Veränderungen, aber auch Unsicherheit in Bezug auf die eigene Attraktivität und Sexualität bei der Patientin erschweren den Umgang miteinander.

Diagnose Brustkrebs

  • Für die Patientin wie auch für den Partner ist eine Brustkrebserkrankung eine große Belastung. Die Angst vieler Patientinnen vor einer Gefährdung der Beziehung ist aber meist nicht nötig. Oft kommen in einer solchen Extremsituation Probleme, die es schon vorher gab, nur deutlicher zum Vorschein. In Beziehungen, bei denen Liebe, Zuneigung und Vertrauen bestimmend sind, kann trotz aller Krisen in vielen Fällen die Beziehung sogar noch intensiver sein.

Auswirkungen der medizinischen Behandlung

  • Die meisten Brustkrebspatientinnen werden heute brusterhaltend operiert. Brusterhaltend bedeutet, dass die Geschwulst entfernt wird, und die Brust anschließend in einer plastischen Operation entweder mit körpereigenem Gewebe oder mithilfe einer Prothese (z. B. aus Silikon) wieder aufgebaut wird. Weitaus seltener muss eine Brust komplett entfernt werden.
  • Im Operationsgebiet kann es nachfolgend zu Taubheitsgefühlen und Missempfindungen kommen, da während der Operation Hautnerven durchtrennt werden. Weiterhin kann es nach dem Wiederaufbau der Brust zu Spannungsgefühlen kommen. Setzt der Arzt eine Prothese ein, treten bei einigen Patienten im späteren Verlauf unter Umständen Fremdkörpergefühle auf. Ein Lymphödem mit Schwellung des Armes gehört bisweilen zu den Folgeerscheinungen.

Wie reagieren Patientinnen auf die Erkrankung?

  • Viele Frauen fühlen sich nach einer Brustoperation nicht mehr attraktiv und sexuell anziehend. Das gilt sowohl für Frauen, deren Brust komplett entfernt wurde, als auch für solche, deren Brust sich durch eine Operation äußerlich verändert hat.
  • Die Brust ist schließlich nicht nur ein wichtiger Körperteil, sondern das Symbol für Weiblichkeit schlechthin. So ist es verständlich, dass Frauen, die eine Brust verloren haben, viele Befürchtungen plagen: Wirke ich noch anziehend auf meinen Partner? Wie wird er auf die fehlende Brust reagieren? Wird ihn die Narbe möglicherweise abstoßen? Frauen scheuen sich in dieser Situation vor sexuellen Kontakten aus Angst vor der Reaktion des Partners auf ihren veränderten Körper.

Wie reagieren Partner auf die Erkrankung?

  • Für die Partner ist der Umgang mit der Erkrankung oft ein Problem. Sie sind häufig durch die Krankheit beunruhigt und haben Angst um ihre Partnerin. Ist die Diagnose gestellt, sind auch die Partner unsicher, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Oft ist dies mit einem Gefühl der Hilflosigkeit verbunden. Der Partner macht sich Gedanken, was die Betroffene am meisten braucht und womöglich nicht sagt.

Bedürfnis nach Zärtlichkeit

  • Während und auch in der ersten Zeit nach der Therapie haben viele Frauen keine oder wenig Lust auf Sexualität. Das ist völlig normal, stehen doch andere Probleme und Ängste im Vordergrund. Dafür haben aber viele Betroffene ein verstärktes Bedürfnis nach Zärtlichkeit, Geborgenheit und Körperkontakt des Partners. Das sollten Frauen ihrem Partner auch so mitteilen.

Was kann die Patientin selbst tun und wie sollte der Umgang mit dem Partner sein?

  • Patientinnen sollten ihre operierte Brust intensiv pflegen. Häufig ist es so leichter, die veränderte Brust anzunehmen und zu akzeptieren. Wichtig ist es, zum eigenen Körper wieder eine positive Einstellung zu gewinnen.
  • Findet eine Frau nach der Operation zu keiner erfüllten Sexualität zurück, sollte sie ihren Arzt darauf ansprechen. Er hat sich bestimmt schon häufiger mit diesem Thema beschäftigt und kann Patientinnen bei Bedarf auch an fachkundige Beratungsstellen in der Nähe verweisen. Auch ein Erfahrungsaustausch mit anderen betroffenen Frauen in einer Selbsthilfegruppe ist häufig hilfreich.
  • Wichtig ist es, mit dem Partner offen über mögliche Probleme, Ängste und Wünsche zu sprechen. Häufig sind das Schweigen und die Angst, was der Partner denkt, das größte Problem. Über Sexualität zu sprechen ist für viele Menschen schwierig. Diese Scheu zu überwinden, wirkt sich aber in aller Regel positiv auf die Partnerschaft aus. Offenheit und gemeinsame Gespräche öffnen häufig Wege zu einer neuen Sexualität und einer neuen Körperwahrnehmung.

Der Verlust oder die Veränderung der Brust ist für viele Frauen ein Problem, das auch Auswirkungen auf die Partnerschaft hat. Als Betroffene sollte man mit seinem Partner offen über seine Bedürfnisse und Wünsche sprechen. Dies erleichtert es beiden, schneller mit der neuen Situation zurechtzukommen.