Was tun bei unerfülltem Kinderwunsch?

Wenn ein Paar sich eigene Kinder wünscht, aber keine bekommt, ist das für beide oft sehr belastend. Ungewollte Kinderlosigkeit liegt in der Regel vor, wenn nach zwei Jahren mehrere Versuche, eine Schwangerschaft herbeizuführen, scheitern. Bei etwa 20 Prozent aller Paare ist dies der Fall.

Woran liegt es?

  • Sowohl bei Männern als auch bei Frauen kommen verschiedene Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch in Frage. Der Arzt unterscheidet hormonelle Störungen von organischen Erkrankungen und psychischen Ursachen.
  • Die Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit liegen zu etwa einem Drittel bei der Frau und zu einem Drittel beim Mann. Beim übrigen Drittel ist die Ursache bei beiden Partnern gemeinsam zu finden.

Störungen bei der Frau

  • Ein Hinweis darauf, dass eine hormonelle Störung vorliegt, ist ein unregelmäßiger Menstruationszyklus. Das kann verschiedene Ursachen haben. Wenn bestimmte Hormone fehlen oder von anderen zu viel produziert wird, bleibt der Eisprung aus oder das befruchtete Ei kann sich nicht in die Gebärmutter einnisten.
  • Manchmal kommen Frauen frühzeitig in die Wechseljahre, d. h. die Eierstöcke stellen langsam ihre Funktion ein. Geschieht dies vor dem 40. Lebensjahr, spricht der Arzt von vorzeitigen Wechseljahren. Eine Schwangerschaft ist dann auf natürlichem Wege schwer möglich.
  • Die Unfruchtbarkeit kann auch organische Ursachen haben, etwa wenn Eileiter oder Eierstöcke entzündet sind oder wenn Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst. Der Arzt spricht im letzteren Fall von Endometriose.
  • Allgemein gilt, dass die Fruchtbarkeit von Frauen mit Anfang 20 am höchsten ist. Nach dem 35. Lebensjahr sinkt sie rapide ab.

Störungen beim Mann

  • Häufig finden sich bei unfruchtbaren Männern zu wenige oder zu wenig bewegliche Spermien in der Samenflüssigkeit. Normalerweise sind es um die 20 Millionen pro Milliliter.
  • Hormonelle Ursachen sind beim Mann eher selten die Ursache. Allerdings kann ein Ungleichgewicht bei den Hormonen die Qualität der Spermien beeinträchtigen.
  • Manchmal sind die Samenleiter verklebt. Hat ein Mann in der Kindheit eine Mumps-Infektion durchgemacht, kann er dadurch ebenfalls unfruchtbar sein.

Was macht der Arzt?

  • Der Hausarzt wird Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch in der Regel zum Besuch beim Gynäkologen oder Urologen raten. Oft gibt es Arztpraxen mit Ärzten mehrerer Fachrichtungen, die speziell auf die Behandlung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch eingerichtet sind.
  • Für den Arzt ist es sehr wichtig, die Ursache der Unfruchtbarkeit herauszufinden, um sie behandeln zu können. Dabei wird er immer sowohl die Frau als auch den Mann untersuchen.
  • Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch mit Fragen zu Zyklusdauer, Monatsblutungen, vorausgehenden Schwangerschaften der Frau, zu Geschlechtsverkehr und Medikamenteneinnahme.
  • Um eine hormonelle Störung bei der Frau zu erkennen, bestimmt der Arzt die Konzentration einer Reihe verschiedener Hormone im Blut. Manchmal muss die Frau die sogenannte Basaltemperatur messen, das heißt die Körpertemperatur am frühen Morgen vor dem Aufstehen. So lässt sich feststellen, ob ein Eisprung stattfindet. Auch mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung zwischen dem 10. und 12. Zyklustag kann der Arzt den Eisprung erkennen.
  • Um die Zeugungsfähigkeit des Mannes festzustellen, fertigt der Arzt ein Spermiogramm an. Dazu untersucht er eine Samenprobe, die der Mann durch Masturbation gewinnt. Unter dem Mikroskop wird dann die Anzahl, Form und Beweglichkeit der Samenfäden beurteilt.

Therapie

  • Liegt die Ursache der Kinderlosigkeit in einer hormonellen Störung begründet, wird der Arzt versuchen, diese durch eine Hormonbehandlung zu beheben.
  • Auch die Normalisierung des Körpergewichts (bei Übergewichtigen) kann in vielen Fällen eine Hormonstörung zurückbilden, die Fruchtbarkeit stellt sich wieder ein.
  • Bei verklebten Eileitern (Frau) oder undurchlässigen Samensträngen (Mann) kann eine Operation die Ursache beheben.

Wenn all diese Maßnahmen nicht greifen und auf natürlichem Wege keine Schwangerschaft zustande kommt, gibt es für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung. Hier gibt es mehrere seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzte Verfahren wie die In-Vitro-Fertilisation (IVF) und die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Im Rahmen einer solchen ist auch die Einnahme von Medikamenten nötig. Die Hormonpräparate haben die Funktion, direkt oder indirekt die Funktion der Eierstöcke zu unterstützen.

Von unerfülltem Kinderwunsch spricht man, wenn es nach zwei Jahren mit regelmäßigem und ungeschütztem Geschlechtsverkehr noch nicht zu einer Schwangerschaft gekommen ist. Zur Klärung der Ursache ist die Untersuchung von beiden Partnern erforderlich.

Stand 08.2010